Turmhügel des Mittelalters? Oder doch vorgeschichtliche Großgrabanlage und Galgenberg der Reichenecker...

Das Bodendenkmal "Hundsdruck" bei Happurg im Satellitenbild: kreisförmige, in Geländestufen ansteigende Bodenformation mit annähernd 80 Metern Durchmesser
Das Bodendenkmal "Hundsdruck" bei Happurg im Satellitenbild: kreisförmige, in Geländestufen ansteigende Bodenformation mit annähernd 80 Metern Durchmesser

Schon 1910 gab es einen Versuch, dem Geheimnis des auffälligen Hügels in der Flur "Hundsdruck" auf die Spur zu kommen. Er liegt rund 100 Meter oberhalb der Ortsverbindungsstraße Hersbruck-Happurg am Rand einer Geländestufe als eine kuppenartige Erhöhung, auf der Obstbäume und ein Holzhäuschen stehen.

Aber bis heute ist die Frage ungeklärt, worum es sich bei diesem eindeutig von Menschenhand geschaffenen Bodendenkmal tatsächlich handelt...

 

Belege für die Theorie "Fürstengrab":

  • Die Straßentrasse unterhalb des Hügels stammt wahrscheinlich schon aus vorgeschichtlicher Zeit als eine der jahrtausendelang begangenenen Wegeverbindungen, die immer auf dem fürs sichere Vorwärtskommen günstigsten Gelände verlaufen und dabei möglichst auch die Höhenzüge der Naturlandschaft nutzen. Schon in der Steinzeit verbreiteten sich so Sprachen, Handelsgüter, Informationen, Technologien und Kulturen, Weltanschauungen, Religionen und Moden - solche Wege bringen aber auch fremde Heere, Tod, Verwüstungen und neue Herrscher. Für das Frühmittelalter ist die große Bedeutung des Verkehrswegs bekannt: als machtpolitisch-strategische Regionalverbindung zwischen den Königshöfen in Forchheim und Lauterhofen und als militärisch wie wirtschaftlich bedeutender Fernweg (Eisenstraße), der von Norddeutschland über Fulda, Bamberg und Hersbruck zur Donau nach Regensburg führt.
  • Nur knapp zwei Kilometer ostwärts liegt der Bergstock der Houbirg mit seiner bedeutenden vorgeschichtlichen Befestigungsanlage. Aus analogen Konstellationen in anderen Regionen Deutschlands kann man den Schluss ziehen, dass es sich bei dem Bodendenkmal um das Großgrab eines Stammesfürsten handeln könnte, der in Sichtweite seines Machtzentrums auf der Houbirg bestattet wurde. Denkbar ist dann auch die Existenz eines ganzen Gräberfelds in der Nähe des Großgrabs, auf dem die Vasallen des Fürsten und auch ganz einfache Menschen bestattet wurden.

Parallelen zum Flurnamen "Hundsdruck" und anderen vorgeschichtlichen Gräberfeldern: 

  • Bei Albertshof in der Fränkischen Schweiz gibt es ein hallstattzeitliches (keltisches) Gräberfeld, das im Volksmund "Hundsbruck" oder auch "die Heidenstatt" genannt wurde. Auf der Pfinzing-Karte "Amt Hersbruck" von 1596 ist westlich neben dem von einem Zaun umgebenen Hügel auf dem Hundsdruck die Flurbezeichnung "Die Hayden" eingetragen. Was verbirgt sich dahinter: Typische Heidelandschaft - oder vielleicht doch die Verballhornung eines alten keltischen (heidnischen) Gräberfelds? Bezeichnenderweise ist auch hier ein umfriedetes Areal eingezeichnet...
  • Am Rand des Ortsteils "Hundisburg" der Stadt Haldensleben in Sachsen-Anhalt besteht ein Gräberfeld aus 13 Hügeln der Bronzezeit auf dem "Galgenberg". Dort haben Ausgrabungen folgendes ergeben: Unter den Hügelgräbern gab es bereits Flachgräber der Baalberger Kultur und der späten Jungsteinzeit. Die Hügel wurden auch für Nachbestattungen verwendet. Man fand Brandschüttungs- und Urnengräber der jüngeren Bronzezeit, der Eisenzeit und sogar noch der römischen Kaiserzeit. Schließlich stießen die Ausgräber auch auf 14 lieblos und willkürlich verlochte Skelette, einige davon mit fehlenden Gliedmaßen. Wie der Flurname "Galgenberg" bereits andeutet, hatte man das Gräberfeld im Mittelalter wohl als Richtstätte genutzt. Historische Quellen dazu fehlen.  

Kann das Relikt ein mittelalterlicher Turmhügel gewesen sein?

Laut Bodendenkmalliste des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege handelt es sich um einen mittelalterlichen Turmhügel. Auch diese Interpretation der gegebenen Faktenlage ist theoretisch möglich. Der Hügel liegt in strategisch günstiger Position, um die direkt unter ihm vorbeiführende bedeutende Altstraße zu kontrollieren und auch zu sperren. Dort könnte schon in merowingisch-karolingischer Zeit eine Burg errichtet worden sein. Die überwiegend in Holzbauweise ausgeführten Burgen des Frühmittelalters ab dem 7. Jahrhundert sind bis heute aber noch kaum erforscht...

Ebenfalls denkbar wäre eine Turmburg als vorgeschobener Außenposten der Burg Reicheneck im Hochmittelalter. Von der Reicheneck aus konnte die am südlichen Pegnitz-Talrand unterhalb des Bauern-/Deckersbergs entlang führende Straße nicht eingesehen werden. Die Annäherung eines gefährlichen Heerhaufens z. B. war für die Besatzung erst erkennbar, wenn er bei Happurg "ums Eck" nach Süden bog und damit fast schon vor der Burg stand. Ein wehrhafter Vorposten schon vor der Ecke aber konnte das ganze Pegnitztal nach allen Richtungen einsehen, sofort Rauchsignale und/ oder einen reitenden Boten zur Burg entsenden und selbst schon den Feind bekämpfen.

Eine ähnliche Funktion dürfte jedenfalls das so genannte "SchauHauß" gehabt haben, das Paul Pfinzing auf seiner Henfenfeld-Karte von 1585 dokumentiert hat. Seiner Zeichnung nach zu schließen, handelte es sich dabei um einen niedrigen Blockbohlen-Turm, der direkt vor der Wegegabelung von Henfenfeld nach Altensittenbach und Hersbruck platziert war.

War der Hundsdruck auch die Richtstätte der Reichsministerialen von Reicheneck?

Zwei der Autoren (Friedrich Müller und Walter Heinz), die bisher "nach Quellenlage" Forschungsbeiträge über den Hügel erarbeitet haben, bringen ihn in Verbindung mit einem Hochgerichts-Standort der Herrschaft Reicheneck.

Laut der von Wilhelm Schwemmer und Gustav Voit im Historischen Atlas Bayern, Lauf-Hersbruck, zitierten Urkunden des Staatsarchivs Nürnberg ist es Ludwig II Schenk von Reicheneck um 1380 tatsächlich gelungen, Blutgerichtsfälle abzuurteilen. Und das gegen den erklärten Willen Kaiser Karls des Vierten.

Was bedeutet das Ergebnis der Probeschürfung von 1910: eine dicke Steinpackung?

Damals hatten der Kustos der Naturhistorischen Gesellschaft Konrad Hörmann und die Brüder Schramm aus Hersbruck auf dem Hügel bis in etwa zwei Meter Tiefe gegraben. Dabei waren sie gleich unter dem Humus auf dicht gepackte Steine gestoßen. Die Archäologen der Naturhistorischen Gesellschaft nahmen an, dass es sich dabei um die Steindeckung eines Hügelgrabs handeln müsste, unter der sich die zentrale Grabkammer befindet. Zu der geplanten vollständigen Ausgrabung ist es wegen Geldmangels aber nie mehr gekommen...

Aus heutiger Sicht könnten die Steine auch als festes Fundament einer hölzernen Turmburg im sandigen Hanggelände oder als die Überreste eines zerstörten Steinturms interpretiert werden. Die Abmessungen des Bodendenkmals von rund 80 Metern Durchmesser und heute noch etwa 3 Metern erhaltene Kantenhöhe an der Nordseite sprächen jedenfalls für eine stattliche Burganlage...

Wirkliche Klarheit über die Funktion und die Bedeutung des Hügels kann erst eine fundierte archäologische Prospektion schaffen.

Ein solches Vorhaben würde von den Denkmalforschern des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege auch mit Fachpersonal und einer Magnetometersonde unterstützt. Mit dieser elektromagnetischen Feldstärken-Messung im Boden werden die untertägig vorhandenen Strukturen erkennbar. Und damit dürfte das Rätsel bald gelöst sein.

Die Frage ist nur noch, wer jetzt endlich mal mit dem Grundstückseigentümer spricht und den Prospektionsantrag stellt?