Wahrscheinlich im 8. oder 9. Jahrhundert von baierischen Siedlern gegründet

Ausschnitt aus der genordeten Pfinzing-Ortskarte Henfenfelds von 1592. Indizien für das frühmittelalterliche Freiling: Flur- und Wegnamen "Hinter Freiling und "In der Freilinggassen"."
Ausschnitt aus der genordeten Pfinzing-Ortskarte Henfenfelds von 1592. Indizien für das frühmittelalterliche Freiling: Flur- und Wegnamen "Hinter Freiling und "In der Freilinggassen"."

Die frühmittelalterliche Vor-Geschichte der Ortsgründung:

Nach der Völkerwanderungszeit des 5. Jahrhunderts n. Chr. war das Land nur noch dünn besiedelt - in weiten Teilen stand dichter Wald. Die Region des Hersbrucker Lands gehörte zum Einflußbereich des Reichs der Thüringer, das grob gesagt von der Werra bis zur Donau reichte. Westlich schlossen sich die Stammesgebiete der Chatten (Hessen) und der Alamannen (Schwaben) an.

Ende des 5. nachchristlichen Jahrhundert begannen aus dem Raum des Mittelrheins um Worms die Herrschaftsfeldzüge und Landnahmewellen der germanischen Merowinger. Sie gehörten wie die Stämme der Salier, Sugambrer, Brukterer oder der Usipeten zu einer Völkergruppe, die während der Römischen Kaiserzeit am Niederrhein beheimatet gewesen war. Ihr selbst gewählter Sammelname war "Franci": die Trotzigen; die Kühnen.

Diese merowingischen Franken hatten als Verbündete der Römer 451 noch zum Sieg über die Hunnen auf den Katalaunischen Feldern beigetragen. Danach standen ihnen weite Gebiete an Seine und Somme, an Mosel und Rhein zur Besiedelung offen. Die Merowingerführer Chlodio, Childerich und Chlodewech eroberten große Teile des späteren Frankreich. Chlodewech macht Paris zu seiner Hauptstadt. Um den Wechsel vom 5. zum 6. Jahrhundert beginnen Feldzüge gegen germanische Stämme, die östlich des neuen Merowingerkönigreichs siedeln: Burgunder, Westgoten, Alamannen und Thüringer. 513 löscht der Merowingerkönig Theuderich das Herrschergeschlecht der Thüringer aus.

Danach dringt die Landnahmewelle der Merowinger in drei Haupt-Stoßrichtungen über den Rhein nach Osten vor:

nach Nordosten in die Röhn, Richtung Thüringerwald und zum Obermain bei Bamberg - nach Osten bis zur Aisch und zu den Quellen der Fränkischen Rezat - nach Südosten bis zur Altmühl bei Eichstätt. Königliche Gefolgsleute der Merowinger gründen Siedlungszellen, die alle die bezeichnenden Endungen -"heim" tragen. In der alten Urkundensprache: -"kaime". Ortsnamenbeispiele Mergentheim, Uffenheim , Windsheim.

Die neueste Forschung nimmt an, dass die Merowinger in Regensburg eine ihrer Adelssippen, die Agilolfinger, als Herzöge der Bajuwaren einsetzten, die südlich der Donau ansässig waren und ihr Gebiet nach Norden ausdehnen wollten. Die Absicht der Franken: das Siedlerpotenzial der Bajuwaren nutzen, die Landnahme im eigenen Sinn steuern und Kontrolle über das weite Gebiet nördlich der Donau bis zum Böhmerwald im Osten bekommen, in das sie mit den Menschen des eigenen Volks nicht mehr eindringen konnten. Analog zur Einteilung der besetzten Gebiete in "Gaue" erhielt der neue Siedlungsraum die Bezeichnung (baierischer) "Nordgau". Er reichte im Westen bis zu den Flußläufen von Rednitz und Regnitz, folgte bei Erlangen dem Lauf der Schwabach nach Osten und umfasste auch die gesamte Pegnitz-Region bis nach Creußen.

Die Orte in unserem Raum mit den Namenszusammensetzungen aus germanischem Vornamen und der typisch bayerischen Endung auf -"ing" wie Peuerling, Heuchling, Ittling und Lilling könnten im Lauf des 7. Jahrhunderts und vielleicht noch bis ins 8. Jahrhundert hinein von baierischen Siedlern gegründet worden sein. Das gilt auch für Henfenfelds Vorgängersiedlung Freiling. Grundsätzlich sind aber auch noch ältere Gründungen durch alamannische Siedler denkbar - nach dem Beispiel des oberfränkischen Seußling gegenüber von Eggolsheim, dessen Erstnennungsname die typische Endung -"ingen" hatte: "Suizilingun". 

Für die anzunehmende Ortsgründung eines "Frigilo" gibt es bislang allerdings nur sekundäre Belege. Schriftquellen aus der Zeit sind leider nicht vorhanden. Eindeutige archäologische Funde stehen noch aus.    

Das alles spricht für Freilings Existenz:

  • Neben den bereits behandelten "Freiling"-Nennungen der Pfinzing-Karte unterstreicht auch der heutige Bergname "Frühlingsberg" die Existenz des Altorts. "Frühlingsberg" kann nur als eine Verballhornung bzw. Fehlintepretation der Kartenbeschriftung zum Ortsteil Freiling entstanden sein und muss "Freilingsberg" heißen. Die seltsame Schreibart "Freüling" des Ortsteils, der sich an den Osthang des Hügels anschließt, hat die Namensveränderung ja geradezu programmiert!
  • Schon vor Pfinzings Freiling-Nennungen des späten 16. Jahrhunderts erscheint in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts der Ortsname "Vrilingen". Anfang des 14. Jahrhunderts ein "her Volkmar Frilinger" = Freilinger als Bürge/ Zeuge für die im Hammerbachtal begüterten Forchheimer und "Wolfelm den Razze von Hersbruck".
  • Beim Ortsnamen Henfenfeld handelt es sich um einen typischen Flurnamen: "Hanffeld". Wie bei Flachslanden, Rüblanden oder auch Waizenfeld ergibt sich daraus, dass es eine ältere Muttersiedlung gegeben haben muss, aus der heraus der mit einem Flur-/Feldnamen bezeichnete Ausbauort entstanden ist. Beim 1059 erstmals urkundlich erscheinenden "Hamfenfeld" kommt als Muttersiedlung nur Freiling in Frage.
  • Die Pfinzing-Karte zeigt deutlich, dass der Ortsteil Freiling westlich des Hammerbach in Form eines unregelmäßigen Haufendorfs angelegt ist, wobei man auch noch ein zweites Haufen-Konglomerat östlich des Bachs in gerader Linie unweit von Freiling festellen kann. Haufendörfer sind typische ältere Gründungen. Entlang der ein kleines Stück weiter östlich gelegenen Straße in Nord-Süd-Richtung zeigt sich dagegen Bebauung, die dem Straßenverlauf folgt und typisch für die wesentlich jüngeren Reihen-/Straßendörfer ist.
  • Die geografische Lage Freilings mit der Schmiede als wichtigstem Handwerk am Ort unmittelbar an den Altwegeverbindungen nach Sendelbach und Ottensoos. Diese beiden Orte sind (903) neben Velden (889) die ältesten urkundlich erwähnten in unserem Raum, chronologisch aber sicher noch älter. Die althochdeutschen Originalbenennungen lauten Sentilapah und Otunassaza. Der Name Otunassaza (Sitz des Ottuno) dürfte bereits sehr alt sein. Sentilapah (Ort des Sentilo am Bach) scheint wegen der typischen - bach-Endung aus der Zeit der karolingischen Kolonisation im 8./9. Jahrhundert zu stammen. Als Nachfolger der Merowinger hatten die Karolinger die fränkische Landnahme im Osten selbst wieder aufgenommen und den westlichen Teil des Nordgaus bis zur Schwarzen Laber militärisch kontrolliert. 806 gab es schon den Königshof in Lauterhofen als Stützpunkt des Fränkischen Heeres. Und bereits in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts bestand hier eine baierische Siedlung.
  • Ein konkreter urkundlicher Beleg für die alte, bajuwarische Ortsgründung könnte sich hinter der Bezeichnung "Curia Reimbotonis" = Hof eines Reimboto verbergen. Die Benennung stammt aus einer Schenkungsurkunde der Stifterfamilie des Klosters Engelthal (der Reichsministerialen Schenk von Reicheneck und Klingenburg) aus der Zeit um 1260, mit der dem Kloster ein Güterkomplex in Henfenfeld mit einer Gesamtfläche von 200 Morgen Land übereignet wird. Die Hofbezeichnung mit einem germanischen Vornamen deutet auf ein altes Anwesen mit größerem Landbesitz hin. Nach den Untersuchungen von Weber und Haller entstanden aus dem Großgrundstück nach und nach vier bis fünf Einzelhöfe und Huben: Gärtnerbauer, Attelbauer, Trumerbauer und Offelbauer/ Hufferbauer = Hofbauer. Dieser Name trägt bis heute die Überlieferung der Curia. Ortsgeografisch liegen die Grundstücke östlich des Hammerbach und sind auf der Pfinzing-Karte um die Haus-Nr. 5 als zweites Haufendorf-Konglomerat neben dem westlichen Freiling zu erkennen. So kann man annehmen, dass es im Frühmittelalter je eine Ortskeimzelle westlich und östlich des Hammerbach gegeben hat: den Sitz des Frigilo und den Hof des Reimboto. Auch die Standorte der typischen Gemeinschaftseinrichtungen Hirtenhaus, Fischerhaus und Schmiede links und rechts entlang des Hammerbach deuten auf eine Verbindung der Ortsteile hin. Dass der östliche etwas weiter entfernt vom Bach errichtet wurde, könnte seinen Grund in Überschwemmungen und Weiherbildungen auf dem Ostufer gehabt haben.

Wo lagen Friedhof und Kirche des Altorts?

Wie man auf Pfinzings Karte erkennen kann, liegt der Standort der Kirche jeweils gut 100 Meter entfernt von den Siedlungszellen des Altorts. Wahrscheinlich hat es über eine längere Zeit nach der Ansiedlung zunächst gar keine Kirche gegeben. Das Bistum Eichstätt, zu dem unser Gebiet damals gehörte, wurde erst um 745 gegründet. Vorher hatten die hier am Ort lebenden Menschen aber schon ihre Toten würdevoll beerdigen müssen und sie dabei wohl auch nach einem ur-christlichen Ritus betrauert. Ausdruck dafür sind die ab dem 6. und bis ins 9. Jahrhundert angelegten Reihen-Gräberfelder. Merowinger und Karolinger förderten den Aufbau einer kirchlichen Flächen-Organisation und damit auch die Grundstrukturen eines Staatsgefüges. Also dürfte auf Initiative des Bistums Eichstätt vielleicht Ende des 8. Jahrhunderts schon ein erstes Holz-Kirchlein entstanden sein. Reihen-Gräberfelder und Urkirchen lagen in der Regel auf freiem Gelände außerhalb der Siedlungen.

Dieses Kirchlein kann durchaus schon an der Stelle der heutigen Kirche gestanden haben. Deren Grundbau ist um 1250 als typische Chorturmkirche entstanden. 1119 wird erstmals ein "Gut und eine Pfarrei Henfenfeld" urkundlich genannt (indirekt also auch eine Kirche). Der Friedhofs-Standort des alten Freiling könnte südlich oder westlich der Kirche zu sehen sein, vielleicht auf der Flur "Paint/ Point" hinunter zum Hammerbach. Dieses freie Wiesengelände ist auf der Pfinzing-Karte von 1592 noch sehr schön zu sehen...

 

An den unterschiedlichen Bebauungsarten  lassen sich ältere und jüngere Besiedelungszeiten erkennen.
An den unterschiedlichen Bebauungsarten lassen sich ältere und jüngere Besiedelungszeiten erkennen.
Wahrscheinlich gab es sogar zwei baierische Orts-Keimzellen, die von Männern mit Namen Frigilo und Reimboto gegründet wurden. Der Name Reimboto ist urkundlich sogar belegt. Die beiden könnten Brüder gewesen sein.
Wahrscheinlich gab es sogar zwei baierische Orts-Keimzellen, die von Männern mit Namen Frigilo und Reimboto gegründet wurden. Der Name Reimboto ist urkundlich sogar belegt. Die beiden könnten Brüder gewesen sein.
Hinter diesen Aussagen verbirgt sich große Geschichte: Das Haus und der Name Hofbauer überliefern die "Curia Reimbotonis": das ist wahrscheinlich der Hof des Reimboto aus dem 7. Jahrhundert
Hinter diesen Aussagen verbirgt sich große Geschichte: Das Haus und der Name Hofbauer überliefern die "Curia Reimbotonis": das ist wahrscheinlich der Hof des Reimboto aus dem 7. Jahrhundert