Ratgeber, Förderer, väterliche Freunde...

John Envers (Hans Günter Engel), links, und Ken Bartlett (Karl Billmann) im Sommer 1999 in Bartletts Münchner Wohnung. Beide 3- troop-Veteranen

haben meine Bemühungen um eine spezielle Dokumentation für den deutschen Sprachraum und ein jüngeres Publikum in den Jahren 1997/98 sehr unterstützt.

 

 

Ken Bartlett

Ken Bartlett war der letzte kommandierende Offizier des 3. Trupps - in der Zeit vom Frühjahr 1945 bis zum Kriegsende als die Männer der Einheit in Deutschland eingesetzt waren. Als Karl Billmann studierte er in München, Tübingen und London Musikwissenschaft. 1938 blieb er in England und kam später zum 3 troop. Nach Kriegsende war er als britischer Musik-Kontrolloffizier und -Beauftragter in Köln, Berlin und Hamburg tätig. Nach einer weiteren Lebensphase in England wurde er Chefdramaturg der Hamburgischen Staatsoper. Zuletzt arbeitete er für den Musikverlag B. Schott's Söhne in Mainz. Im Ruhestand kam er in seine Heimatstadt München zurück und arbeitete dort noch als Übersetzer.

Ken wollte allerdings nicht mehr zur Zeit des Nationalsozialismus, des Zweiten Weltkriegs und über seine persönlichen Erfahrungen damit befragt werden. Diesen Lebensabschnitt betrachtete er als abgeschlossen. Die Einstellung wird verständlich, wenn man weiß, dass seine Eltern hier umgekommen sind. Auch Ken Bartlett ist inzwischen verstorben. 

 

John Envers

John bei seinem letzten Besuch in Deutschland im Sommer 1999 - nur wenige Monate vor seinem Tod.

Das Bild zeigt ihn zusammen mit seinem Freund Rainer Penkert (Englische Antiquitäten) in München.

Nach dem letzten Veteranentreffen des 3. Trupps in Wales und einer anschließenden Reise nach Italien kam John nach Deutschland und besuchte mich. Gemeinsam fuhren wir dann zu seinen deutschen Freunden in Berlin, Regensburg und München. Einige davon hatte er 1946/47 als Angesteller des britischen Außenminsteriums in Ägypten kennengelernt. Dort war er als eine Art Umerziehungs-Beauftragter in Kriegsgefangenlagern eingesetzt und gab in Zusammenarbeit mit einigen deutschen Soldaten eine Lagerzeitung heraus.

John war dann nach Kanada ausgewandert, wo er lange Jahre als Nachrichtenredakteur für die CBC arbeitete. Als Renter half er noch zehn Jahre lang ehrenamtlich beim YMCA aus.

Seine Verbindungen nach Deutschland hat John schon deswegen aufrecht erhalten, weil sein leiblicher Vater sich nach dem Krieg in Düsseldorf niedergelassen hatte. Der Vater riet ihm auch, keine Pauschalurteile über "die Deutschen" zu fällen und sagte: "Wer weiß, was wir gemacht hätten, wenn wir an ihrer Stelle gewesen wären..."

John als Sergeant im Jahr 1944.

Geboren und aufgewachsen als Hanns-Günter Engel, Sohn eines jüdischen Rechtsanwalts in Breslau. Der Vater war einst Corpstudent gewesen, hatte als Leutnant im Ersten Weltkrieg gekämpft und war Mitglied im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. In die Synagoge ging er nur zu den hohen jüdischen Feiertagen. Nach der Scheidung seiner Eltern 1932 kam Hanns-Günter mit seiner evangelischen Mutter nach Berlin. Dort heiratete die Mutter den polnischen Grafiker und Modefotografen Karl Schenker, der die Werbefigur des Gentleman mit Schnurrbart und Smoking für den Sekt "Henkel-Trocken" erfand. Schenker war mit dem Ilustrator Walter Trier und dem Autor Erich Kästner befreundet.

In Berlin ging Hanns-Günter auf das Fichte-Gymnasium. Rainer Penkert war dort einer seiner Schulkameraden. 1936 mussten er als jüdisch klassifizierter Schüler das Gymnasium verlassen und kam zur privaten Goldschmidt-Schule, wo sein Sprachtalent gefördert wurde.

Das Pogrom im November 1938 veranlasste die Eltern, den Sohn nach London zu bringen. Der Bruder seines leiblichen Vaters hatte dort eine Zahnarztpraxis. Nachdem Hanns-Günter in der Schule nicht mehr mitkam, begann er eine Lehre in einer Chemiefabrik. Seine Hauptbeschäftigung bestand darin, Flaschen zu waschen.

Der Vater in Breslau konnte durch den Tipp eines Gestapo-Mannes noch rechtzeitig vor Kriegsbeginn 1939 ausreisen und kam auch nach London. Anfang 1940 wurden Vater und Sohn getrennt voneinander interniert. Der Vater Franz Wilhelm Engel musste ein ganzes Jahr auf der Isle of Man verbringen, Hanns-Günter kam nach drei Monaten wieder aus dem Lager und bewarb sich für den Militärdienst im Pioneer Corps. 1943 meldete er sich freiwillig zu den Commandos, wurde angenommen und kam zum 3. Trupp zur Ausbildung nach Aberdovey. Dort wählte er die Tarnnamen John Envers. Bei der Invasion 1944 war er als Übersetzer einem Brigadegeneral zugeteilt. Der erteilte ihm gleich einen kräftigen Rüffel, weil er seine Maschinenpistole nicht gesichert hatte. Später bei einer Commandoeinheit lag er mit zwei anderen 3 troopern, Moody (Meyer) und Norton (Nathan), hinter einer der typischen Heckenreihen in der Normandie. Plötzlich kamen sie unter Granatwerferbeschuss. Moody links von ihm und Norton rechts von ihm waren sofort tot. Er selbst war durch den Explosionsdruck halb entkleidet und konnte nicht mehr richtig atmen, hatte wie durch ein Wunder aber überlebt. Bei seinem Abtransport in einem Jeep überschlug sich auch noch das Fahrzeug, wobei er sich zusätzlich an der Hand verletzte.

John kam in ein Lazarett nach Schottland. Nach seiner Genesung wurde er Ausbilder der neuen 3 trooper im Fach "Deutsche Wehrmacht" in Holland. Erst gegen Kriegsende kam er schließlich nach Deutschland. Nach der Kapitulation befragte er für den britischen miliärischen Nachrichtendienst (Intelligence Corps) deutsche Soldaten, die zur Entlassung aus den Gefangenenlagern vorgesehen waren, und Zivilflüchtlinge aus dem Osten. 1946 wurde John wie die meisten seiner Kameraden aus der britischen Armee entlassen.